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"Der Tanz über das Seil"

Eine Präambel

Ki Kaenpufuru
08.05.2011


"Der Mensch ist ein Seil, geknüpft zwischen Tier und Übermensch – ein Seil über einem Abgrunde."
- also sprach Nietzsches Zarathustra

Wer nun bei dem Wort "Übermensch" schon an rechtsradikale Ideologien denkt, möge sich doch bitte in die nächste Ecke begeben und sich gründlich schämen. Der Begriff des Übermenschen existierte nachweislich bereits lange vor unserer Zeitrechnung, wurde in Goethes Faust verwendet und in 19. Jahrhundert letztendlich von Friedrich Nietzsche interpretiert, bevor Adolf Hitler den Begriff als Rechtfertigung für nationalsozialistische Massenmorde missbrauchte.
In Nietzsches Werk "Also sprach Zarathustra" ist der Übermensch ein Wesen, das der menschlichen Natur entspringt, diese jedoch überflügelt. Der Übermensch hat sich selbst überwunden.
Und hier findet sich auch schon der Ansatzpunkt dieser Kolumne. Ein Mensch, der sich selbst und seine Natur überwunden hat, steht somit auch über der Gesellschaft. Der Übermensch ist Herr über seine Triebe. Er ist kein Hirte und weist dennoch Schafen den Weg. Er kennt keine Moral, denn er ist seine eigene Moral. Er verlässt sich nur auf das eigene Selbst und hinterfragt es dennoch. Und trotzdem genießt er das Leben in vollsten Zügen.

Wenn man an die gegenwärtige Situation denkt, erscheint einem ein solches Wesen sehr fremd. Diktatoren und Oligarchen regieren die Welt, Mitmenschen sind für viele zu sexuellen Verbrauchsgütern verkommen, Religion sorgt für Kriege und zerstört Menschen durch widerwärtige Ideologien und Regeln, der Mensch ist des Denkens faul und müde geworden.

Ein Seiltänzer hat es heutzutage schwer.




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Die Kolumne "Der Tanz über das Seil" von Ki Kaenpufuru steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported Lizenz..


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